AKTE 100 — Der Hof, der niemals sprach
Hinterkaifeck bei Waidhofen, Oberbayern · 31. März 1922
Tage vor der Tat erzählt der Hofbesitzer Andreas Gruber im Dorf von Fußspuren
im Schnee: Sie führen aus dem Wald zum Hof — aber keine einzige führt zurück. Er hört Schritte über sich,
auf dem Dachboden. Ein fremder Hausschlüssel verschwindet. Gruber steigt hinauf, findet: niemanden.
In der Nacht vom 31. März auf den 1. April sterben auf dem Einödhof sechs Menschen:
Andreas und Cäzilia Gruber, ihre Tochter Viktoria Gabriel, deren Kinder Cäzilia und Josef —
und die Magd Maria Baumgartner, die erst am selben Tag ihren Dienst angetreten hatte.
Die Tatwaffe, eine Reuthaue, wird erst Monate später im Haus gefunden.
Dann das Unbegreifliche: Tagelang nach der Tat steigt Rauch aus dem Schornstein.
Das Vieh ist versorgt, Brot ist angeschnitten. Jemand hat auf dem Hof gelebt — mit den Toten unter sich.
Über hundert Verdächtige, mehrere Exhumierungen, zuletzt
moderne Profiler der Polizei: Der Fall Hinterkaifeck wurde nie gelöst. Die bayerische Polizei führt ihn
bis heute als offen. Der Hof wurde 1923 abgerissen — angeblich fand man beim Abriss die Tatwaffe
auf dem Dachboden.
FALL 100 · UNGELÖST · DU WEISST, WAS WIR WISSEN
■ Glückwunsch, Ermittler. Du hast das ganze Archiv durchdrungen —
99 gelöste Fälle und einer, der offen bleibt. Vielleicht für immer. Vielleicht für dich.