Ein Hausierer ohne Erlaubnis
Michael Heigl kommt 1817 in Ramsried bei Bad Kötzting im Landkreis Cham zur Welt.
Sein Weg in die Illegalität beginnt banal: Er wird in Kötzting festgenommen, weil er ohne Erlaubnis hausiert — also ohne Gewerbeschein Waren verkauft. 1843 flieht er aus einem Gerichtsgebäude in Straubing in den Bayerischen Wald.
Damit ist die Entscheidung gefallen. Wer einmal geflohen ist, kann nicht mehr zurück; aus einer Ordnungswidrigkeit wird ein Leben im Verborgenen.
Zehn Jahre im Wald
In den folgenden Jahren begeht Heigl Raubüberfälle im Kötztinger und Viechtacher Raum, gelegentlich bis nach Landshut. Zwischendurch hält er sich mehrere Jahre in Oberungarn auf, dem heutigen Gebiet der Slowakei.
Sein Rückzugsort ist eine Höhle am Kaitersberg unterhalb des Kreuzfelsens — bis heute als Räuber-Heigl-Höhle bekannt.
Warum die Leute zu ihm hielten
Heigl konnte sich so lange halten, weil er Rückhalt hatte. Er überfiel vor allem wohlhabende Bauern und Geistliche, und das brachte ihm bei den ärmeren Teilen der Bevölkerung erhebliche Sympathie und praktische Unterstützung ein.
Diese Unterstützung war die eigentliche Voraussetzung seines Überlebens. Ein Einzelner kann sich in einem Waldgebiet verstecken; aber essen, sich wärmen und Nachricht bekommen kann er nur, wenn Menschen ihn decken.
Der Beiname „Robin Hood des Bayerischen Waldes“, der ihm später angehängt wurde, gehört allerdings eher zur Legende als zur Akte. Belegt ist, wen er bestahl — nicht, dass er das Erbeutete verteilte.
Der Verrat
Am Ende führt kein Fahndungserfolg zu ihm, sondern ein Mensch. Ein früherer Komplize verrät das Versteck.
Am 18. Juni 1853 wird Michael Heigl in seiner Höhle am Kaitersberg gefasst. 1854 verurteilt ihn das Gericht in Straubing zum Tode durch Enthauptung.
Das Ende in der Au
Das Urteil wird nicht vollstreckt. Heigl wird begnadigt und zu lebenslanger Haft im Münchner Zuchthaus Au verurteilt.
Drei Jahre später, 1857, wird er dort von einem Mithäftling erschlagen — mit der eisernen Kugel von dessen Fußkette.
Es ist ein bitteres Ende für einen Begnadigten: Der Staat verzichtete auf die Hinrichtung, und Heigl starb trotzdem gewaltsam, nur ohne Urteil und ohne Öffentlichkeit.
Zwei Räuber, ein Muster
Ein halbes Jahrhundert nach Heigl endete Mathias Kneißl im selben Bayern auf ähnliche Weise (Akte 004): Beide begannen mit Kleinkriminalität aus Not, beide wurden von der ländlichen Bevölkerung gedeckt, beide fielen durch Verrat, beide wurden nach ihrem Tod zu Volkshelden erklärt.
Die Verklärung hat in beiden Fällen denselben Kern: Für Kleinbauern und Tagelöhner war der Räuber jemand, der sich gegen eine Obrigkeit wehrte, gegen die man sich sonst nicht wehren konnte. Ob er tatsächlich für sie handelte, spielte dabei kaum eine Rolle.
An Heigl erinnert bis heute die Höhle am Kaitersberg, ein Wanderziel.
Der Fall im Buch
Im MORDARCHIV steht dieser Fall als Akte 018 auf Ebene I. Aus dem Buchstabengitter ergibt sich die Tatwaffe, aus den übrig gebliebenen Buchstaben der Ermittlungsbericht mit dem Namen des Täters.
Quellen 4
- Wikipedia: Michael Heigl — Link
- Literaturportal Bayern: Im Wald da sind die Räuber I — Michael Heigl — Link
- Onlinemagazin da Hogn: Michael Heigl — der „Robin Hood des Bayerischen Waldes“ — Link
- Kulturheimat: Der Räuber Heigl — Robin Hood aus dem Bayerischen Wald — Link