Ein Müllergeselle
August Sternickel wird am 11. Mai 1866 in Mschanna geboren und lernt Müller.
Zwischen 1905 und 1913 begeht er im Deutschen Reich mehrere Morde und steckt Bauernhäuser in Brand. In Brandenburg spricht man vom „Sternickel-Schrecken“; überregional trägt er bald den Beinamen „Schrecken von Preußen“.
Feuer als Methode
Das Feuer war bei ihm kein Nebeneffekt, sondern Werkzeug. Nach einer Tat brachte er Opfer nach Ringenwalde, legte sie auf einen Strohschober und zündete ihn an.
Die Absicht ist offensichtlich: Was verbrannt ist, lässt sich nicht mehr untersuchen. Ein Brandort wirkt zudem wie ein Unglück, und ein Unglück wird anders behandelt als ein Verbrechen — es wird nicht ermittelt, sondern aufgeräumt.
Es ist derselbe Gedanke, der in diesem Archiv immer wiederkehrt: bei Timm Thode 1866 (Akte 022), bei Fritz Angerstein 1924 (Akte 026), bei den Versicherungsbetrügern von Rastenburg 1930 (Akte 016). Und immer wieder zeigt sich dasselbe: Feuer vernichtet weniger, als Täter hoffen.
Der Knecht Otto Schöne
Gefunden wurde Sternickel nicht durch eine Spur am Tatort, sondern durch eine Identität, die nicht hielt.
Er lebte und arbeitete als Knecht unter dem Namen Otto Schöne. Als sich herausstellte, wer dieser Knecht wirklich war, war der landesweit gesuchte Mörder gefunden.
Diese Tarnung erklärt auch die lange Dauer der Serie. Ein Knecht wechselt die Höfe, gehört überall halb dazu und fällt nirgends auf. Er kennt die Gebäude, die Gewohnheiten und die Wege — und er ist keine Person, nach der jemand fragt, wenn er weiterzieht.
Prozess und Hinrichtung
Vom 13. bis 15. März 1913 verhandelt das Schwurgericht des Landgerichts Frankfurt an der Oder.
Am 30. Juli 1913 wird August Sternickel in Frankfurt an der Oder vom Scharfrichter Lorenz Schwietz enthauptet.
Wie ein Name zum Schrecken wird
Bemerkenswert an diesem Fall ist die Wirkung, die er entfaltete, bevor überhaupt jemand wusste, wer der Täter war.
„Sternickel“ wurde zum Wort für eine Gefahr, die nirgends und überall war. In den brandenburgischen Dörfern richtete man sich danach ein: Man verriegelte, man ging nicht allein, man misstraute Fremden. Der Name eines Unbekannten organisierte das Verhalten einer ganzen Region.
Diese Eigendynamik kennt man aus anderen Fällen dieses Archivs — aus Düsseldorf 1929 etwa (Akte 011), wo die Angst mehr Hinweise erzeugte, als die Polizei verarbeiten konnte. Der Unterschied ist, dass in Brandenburg die Furcht nicht auf eine Stadt beschränkt blieb, sondern über Jahre eine ländliche Fläche erfasste, in der Hilfe weit entfernt war.
Der Fall im Buch
Im MORDARCHIV steht dieser Fall als Akte 030 auf Ebene I. Aus dem Buchstabengitter ergibt sich das Mittel, aus den übrig gebliebenen Buchstaben der Ermittlungsbericht mit dem Namen des Täters.
Quellen 4
- Wikipedia: August Sternickel — Link
- DeWiki: August Sternickel — Link
- Das Räuberwesen: Der Raubmörder August Sternickel vor den Geschworenen (zeitgenössische Prozessdarstellung) — Link
- Uwe Bräuning: Mord im Oderbruch — Legende und Wahrheit über den Raubmörder August Sternickel