Der Alchemist von München

München · 1931 · Akte 039
StartLösungenAkte 039 › Der wahre Fall
Ein Münchner behauptete in den 1920er Jahren, Gold herstellen zu können — und fand Geldgeber bis hinauf zu General Ludendorff. Selbst eine überwachte Probe in der Alten Münze schien zu gelingen.
Ort und ZeitMünchen, 1931
TatwaffeHAND
Täter / TäterinFranz Tausend
Im BuchAkte 039, Ebene I — LEICHT

Gold aus unedlem Metall

Franz Seraph Tausend, geboren am 5. Juli 1884, behauptete, Blei und Quecksilber in Gold verwandeln zu können.

Die Alchemie galt zu diesem Zeitpunkt seit über hundert Jahren als erledigt. Dass jemand mit einer solchen Ankündigung 1925 nicht ausgelacht, sondern finanziert wurde, verlangt eine Erklärung.

Warum ihm Leute glaubten

Sie liegt in der Lage Deutschlands. Das Reich war durch den Versailler Vertrag zu Reparationen verpflichtet, die in Gold zu leisten waren. Die Hyperinflation von 1923 hatte gerade das Vermögen des Mittelstands vernichtet. Papiergeld hatte sich als wertlos erwiesen — Gold nicht.

Wer also behauptete, Gold herstellen zu können, versprach nicht einfach Reichtum. Er versprach, das nationale Problem zu lösen.

Genau so wurde es aufgefasst. Zu Tausends Geldgebern gehörten Persönlichkeiten aus dem rechtsnationalen Lager, allen voran General Erich Ludendorff — im Ersten Weltkrieg Chef der Obersten Heeresleitung. In der zeitgenössischen Presse hieß Tausend deshalb „Ludendorffs Goldmacher“.

Die überwachte Probe

Um die Zweifler zu überzeugen, führte Tausend seinen Prozess unter Aufsicht vor — unter anderem in der Alten Münze in München.

Und es schien zu gelingen. Am Ende des Verfahrens lag Gold vor.

Das ist der Punkt, an dem der Fall interessant wird. Eine überwachte Demonstration gilt als der Goldstandard des Nachweises. Wenn sie gelingt, ist der Beweis erbracht — vorausgesetzt, die Aufsicht war wirklich lückenlos.

Wie es wirklich lief

Sie war es nicht. Ein Zeuge beobachtete Tausend dabei, wie er Gold einschmuggelte.

Sachverständige wiesen nach, dass das Gold dem Ansatz stets vorher zugesetzt worden war. Es entstand nichts — es war von Anfang an da und wurde am Ende nur wieder sichtbar gemacht.

Das Verfahren war damit kein missglückter Versuch, sondern ein Bühnentrick. Sein Erfolg beruhte nicht auf Chemie, sondern darauf, dass Beobachter darauf achteten, was im Ofen geschah, und nicht darauf, was vorher hineingelangte.

Flucht, Prozess, Ende

Im Januar 1929 wird Tausend nach einem Autounfall in Italien erkannt, festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.

1931 verurteilt ihn das Landgericht München wegen Betrugs zu drei Jahren und acht Monaten. Bemerkenswert ist die Begründung: Verurteilt wurde er wegen der Zweckentfremdung des eingesammelten Kapitals — nicht in erster Linie deshalb, weil das Verfahren als solches widerlegt worden wäre.

Nach der Haft begann er ein neues Vorhaben. 1937 wurde er erneut festgenommen und 1938 wegen Scheck- und Geldbetrugs verurteilt. Am 9. Juli 1942 starb Franz Tausend in Haft in Schwäbisch Hall.

Zwei unmögliche Maschinen

Der Fall hat in diesem Archiv einen Zwilling. 1844 hatte in Stuttgart ein Goldarbeiter das gesamte Vermögen seiner Frau in ein Perpetuum mobile gesteckt (Akte 037) — eine Maschine, von der die Physik längst wusste, dass sie nicht laufen kann.

Achtzig Jahre später sammelte Tausend Geld für eine Umwandlung, von der die Chemie längst wusste, dass sie so nicht geht.

Der Unterschied: Ruthardt glaubte offenbar selbst daran und ruinierte damit seine Familie. Tausend wusste, was er tat, und ruinierte andere.

Der Fall im Buch

Im MORDARCHIV steht dieser Fall als Akte 039 auf Ebene I. Aus dem Buchstabengitter ergibt sich das entscheidende Mittel, aus den übrig gebliebenen Buchstaben der Ermittlungsbericht mit dem Namen des Täters.

Zur BeweislageZum genauen Datum und zur Instanz des Urteils finden sich abweichende Angaben; überliefert ist eine Strafe von drei Jahren und acht Monaten. Auch die Höhe der eingesammelten Summen wird unterschiedlich beziffert.
Quellen 3
  1. Wikipedia: Franz Tausend — Link
  2. Skeptikai: Learn About Franz Tausend — The Story of Alchemy and Deception — Link
  3. rexresearch: Franz Tausend — Transmutations of Lead and Mercury to Gold (Quellensammlung mit zeitgenössischen Texten) — Link
Onlinequellen abgerufen am 31. Juli 2026.

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Alle Fälle beruhen auf historischen Kriminalfällen (1820–1950) und wurden für dieses Rätselbuch nacherzählt.