Die Braut von Freiberg

Chemnitz / Freiberg, Sachsen · 1907 · Akte 041
StartLösungenAkte 041 › Der wahre Fall
Am Tag vor der Hochzeit starb der Bräutigam in seiner Chemnitzer Wohnung. Neben ihm lagen ein Abschiedsbrief und ein Testament — beide gefälscht von der Braut.
Ort und ZeitChemnitz / Freiberg, Sachsen, 1907
TatwaffeREVOLVER
Täter / TäterinGrete Beier
Im BuchAkte 041, Ebene II — MITTEL

Eine Tochter aus gutem Haus

Grete Beier kommt am 15. September 1885 zur Welt, als Tochter eines Bürgermeisters.

Das ist für den Fall wesentlich. Ihre gesellschaftliche Stellung war der Grund, warum zunächst niemand an ihr zweifelte — und später der Grund, warum das Verfahren im ganzen Königreich verfolgt wurde.

Zwei Verlobungen

1905 lernt sie den Kaufmann Johannes Heinrich Merker kennen und verlobt sich heimlich mit ihm, ohne Wissen der Eltern. Sie löst die Verbindung wegen seiner Untreue.

1906 lernt sie den Oberingenieur Heinrich Moritz Curt Pressler kennen. Diese Verlobung ist die offizielle, die standesgemäße, die angekündigte.

Der Tag vor der Hochzeit

In Pressers Chemnitzer Wohnung gibt sie ihm Zyankali. Als das nicht zum Ziel führt, erschießt sie ihn mit einem Revolver.

Der Schuss ist so gesetzt, dass er wie ein Selbstmord aussieht. Daneben deponiert sie einen Abschiedsbrief und ein Testament zu ihren Gunsten — beides von ihr gefälscht.

Eine Inszenierung unter vielen

Die vorgetäuschte Selbsttötung gehört zu den häufigsten Tatverdeckungen überhaupt, und dieses Archiv kennt mehrere Varianten: Marie Strauß richtete 1861 ein Erhängen am Webstuhl her (Akte 024), Timm Thode erfand 1866 einen Überfall (Akte 022), Fritz Angerstein verletzte sich 1924 selbst, um Opfer zu sein (Akte 026).

Alle diese Inszenierungen scheitern an derselben Stelle. Sie müssen gleich mehrere Dinge zugleich stimmig machen: den Ort, den Körper, die Papiere und die Vorgeschichte. Ein einziger Widerspruch genügt.

Bei Grete Beier waren es gleich mehrere: Die Abschiedszeilen wirkten seltsam, das Testament zugunsten der Verlobten war auffällig frisch, und der Befund am Leichnam passte nicht zu dem, was ein Selbstmord hinterlässt.

Das Geständnis

Grete Beier gestand die Tat.

Als Motiv gilt, dass sie frei sein wollte — für einen anderen Mann und für ein anderes Leben, ohne den Skandal einer gelösten Verlobung kurz vor der Hochzeit.

Der 23. Juli 1908

An diesem Morgen um halb sieben wird Grete Beier im Hof des Gerichtsgebäudes in Freiberg mit dem Fallbeil hingerichtet. Sie ist 22 Jahre alt.

Anwesend sind fast 200 Zuschauer.

Diese Zahl beschreibt genau den Zustand, in dem sich die Hinrichtungspraxis 1908 befand. Öffentlich im alten Sinn — auf dem Marktplatz, für jeden — war sie längst nicht mehr; die letzte solche fand 1864 statt (Akte 024). Aber sie war auch nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Man lud aus, man kam als geladener Zeuge, und man berichtete davon.

Grete Beier war der letzte Mensch, der im Königreich Sachsen hingerichtet wurde.

Der Fall im Buch

Im MORDARCHIV steht dieser Fall als Akte 041 auf Ebene II. Aus dem Buchstabengitter ergibt sich die Tatwaffe, aus den übrig gebliebenen Buchstaben der Ermittlungsbericht mit dem Namen der Täterin.

Zur BeweislageDie Formulierungen zu ihrer Sonderstellung gehen auseinander: Genannt wird sie sowohl als letzte öffentlich hingerichtete Frau im Königreich Sachsen als auch als letzter dort hingerichteter Mensch überhaupt. Die Darstellung des Tathergangs beruht wesentlich auf ihrem Geständnis.
Quellen 3
  1. Wikipedia: Grete Beier — Link
  2. Kriminalia: Grete Beier — Ermordung ihres Bräutigams (1908) — Link
  3. Kriminalia: Der Fall Grete Beier — nach Hugo Friedländer (zeitgenössische Prozessberichterstattung) — Link
Onlinequellen abgerufen am 31. Juli 2026.

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Alle Fälle beruhen auf historischen Kriminalfällen (1820–1950) und wurden für dieses Rätselbuch nacherzählt.