Das Alibi im Wirtshaus

Konzell / Mitterfels, Niederbayern · 1844 · Akte 046
StartLösungenAkte 046 › Der wahre Fall
Am Martinitag 1844 saß der Konzeller Mesner im Wirtshaus, während zu Hause seine schwangere Frau erdrosselt wurde. Genau darin lag der Plan — und genau deshalb starb am Ende er und nicht der Mann, der zugriff.
Ort und ZeitKonzell / Mitterfels, Niederbayern, 1844
TatwaffeSTRICK
Täter / TäterinDominikus Hahn (Anstifter) und zwei Komplizen
Im BuchAkte 046, Ebene II — MITTEL

Martinitag 1844

Der 11. November ist in Niederbayern Markttag. Dominikus Hahn, Schullehrer und Mesner in Konzell, verbringt ihn im Wirtshaus.

In seinem Haus wird währenddessen seine junge Frau erdrosselt. Sie ist schwanger.

Ein Alibi mit Absicht

Das Wirtshaus war kein Zufall. Hahn hatte den Tod seiner Frau veranlasst — ausgeführt haben ihn seine mit ihm verwandte Geliebte und deren Bruder, der zugriff.

Der Plan folgte einer einfachen Überlegung: Wer viele Stunden vor Zeugen an einem anderen Ort sitzt, kommt als Täter nicht in Betracht. Ein Markttag liefert dafür die besten Bedingungen — viele Menschen, viele Beobachtungen, ein lückenloser Nachweis der eigenen Anwesenheit.

Es ist derselbe Gedanke, der Kriminalgeschichten seit jeher trägt. Sein Schwachpunkt ist ebenso alt: Ein Alibi schützt nur den, der allein handeln müsste. Wer andere braucht, hat Mitwisser.

Das Geständnis am Grab

Zwei Tage später, bei der Beerdigung, legen alle drei vor dem untersuchenden Assessor ein Geständnis ab.

Der Plan hielt also nicht einmal achtundvierzig Stunden. Was ihn zum Einsturz brachte, war nicht die Ermittlung, sondern der Umstand, dass drei Menschen ein Geheimnis teilten und am offenen Grab standen.

Fast drei Jahre

Das Verfahren zog sich beinahe drei Jahre hin — auch deshalb, weil gegen den Lehrer eine weitere Straftat entdeckt wurde.

Am Ende sprach das Gericht drei Todesurteile aus.

Zwei Begnadigungen

Ein Gnadengesuch an König Ludwig I. hatte Erfolg — allerdings nur zum Teil. Die beiden Komplizen wurden zu lebenslanger Kettenstrafe begnadigt.

Für den Hauptschuldigen blieb es beim Tod durch das Schwert. Als Hauptschuldiger galt der Ehemann.

Wer stirbt — der Ausführende oder der Anstifter?

Damit steht dieser Fall genau spiegelverkehrt zu einem anderen in diesem Archiv.

1864 wurde Marie Strauß hingerichtet, weil sie zugegriffen hatte; ihr Geliebter, der sie dazu gebracht hatte, erhielt lebenslange Haft (Akte 024). Hier ist es umgekehrt: Der Mann, der im Wirtshaus saß, wurde hingerichtet; derjenige, der die Tat ausführte, kam mit dem Leben davon.

Und wieder anders entschied 1859 das Schwurgericht Halle im Fall Rose-Rosahl, wo Schütze und Auftraggeber gleichermaßen zum Tode verurteilt wurden (Akte 013).

Drei Fälle, drei Antworten. Wie schwer Anstiftung im Verhältnis zur eigenhändigen Tötung wiegt, war im 19. Jahrhundert keine feste Größe. Sie hing vom Gericht ab, vom Landesrecht — und von der Frage, wen man für den eigentlichen Urheber hielt.

Der 13. August 1847

An diesem Tag wird Dominikus Hahn in Mitterfels mit dem Schwert hingerichtet. Mehrere tausend Zuschauer kommen von weit her.

Es ist die letzte öffentliche Hinrichtung am Landgericht Mitterfels — und die letzte, die dort mit dem Schwert vollzogen wurde.

Der Fall im Buch

Im MORDARCHIV steht dieser Fall als Akte 046 auf Ebene II. Aus dem Buchstabengitter ergibt sich die Tatwaffe, aus den übrig gebliebenen Buchstaben der Ermittlungsbericht.

Quellen 4
  1. Gemeinde Konzell: Die letzte öffentliche Schwerthinrichtung, Teil 1 (PDF) — Link
  2. Gemeinde Konzell: Die letzte öffentliche Schwerthinrichtung, Teil 3–4 (PDF) — Link
  3. Arbeitskreis Heimatgeschichte Mitterfels: Die letzte Hinrichtung in Mitterfels 1847 — Link
  4. Münchener DigitalisierungsZentrum: Geschichte der Mordthat, wegen welcher Dominikus Hahn von Konzell zum Tode verurtheilt und am 13. August 1847 in Mitterfels hingerichtet wurde (zeitgenössischer Druck) — Link
Onlinequellen abgerufen am 31. Juli 2026.

Zurück zur Lösung

Das Buch MORDARCHIV DEUTSCHLAND von Viktor Hallstein, 99 wahre Kriminalfälle als Wortsuchrätsel

Das Buch zum Archiv

Dieser Fall steht als Akte 046 im MORDARCHIV DEUTSCHLAND — zusammen mit 98 weiteren wahren Kriminalfällen, jeder als Wortsuchrätsel. Lies die Akte, finde die Beweise, entlarve den Täter.

Bei Amazon ansehen

MORDARCHIV DEUTSCHLAND · Viktor Hallstein · Taschenbuch

■ Die Ermittlerkartei

Neue Fälle, geheime Zusatzakten und Band 2 — zuerst an die, die im Archiv registriert sind.

MORDARCHIV DEUTSCHLAND · Viktor Hallstein · Startseite · Wahre Fälle · Lösungen · Akte 100 · Impressum · Datenschutz
Alle Fälle beruhen auf historischen Kriminalfällen (1820–1950) und wurden für dieses Rätselbuch nacherzählt.