Das Gift in den Knochen

Frankfurt am Main · 1913 · Akte 053
StartLösungenAkte 053 › Der wahre Fall
Über Jahre vergiftete Karl Hopf seine eigenen Angehörigen. Überführt wurde er, weil ein Frankfurter Chemiker als Erster Gift in den Knochen längst Begrabener nachweisen konnte — und sogar in der Asche einer Eingeäscherten.
Ort und ZeitFrankfurt am Main, 1913
TatwaffeARSENIK
Täter / TäterinKarl Hopf
Im BuchAkte 053, Ebene II — MITTEL

Frankfurt, April 1913

Am 14. April 1913 wird Karl Hopf verhaftet, geboren am 26. März 1863 in Frankfurt am Main.

Der Verdacht: Er habe über Jahre hinweg Angehörige vergiftet, um an Versicherungs- und Erbschaftsgelder zu kommen.

Die Toten

Zu den Opfern zählten sein Vater, seine erste Ehefrau, ein uneheliches Kind und seine Tochter Elsa aus zweiter Ehe.

Es ist der Kreis, in dem ein Giftmörder am wenigsten auffällt — und gleichzeitig der, in dem sich die Todesfälle irgendwann häufen.

Wie man über Jahre vergiftet

Hopf verabreichte das Gift über längere Zeiträume in kleinen Mengen, verborgen in Speisen und Getränken.

Diese Vorgehensweise hat einen Vorteil, der zugleich ihre Schwäche ist. Sie erzeugt keinen plötzlichen Tod, der Fragen aufwirft, sondern ein langes Siechtum, das nach Krankheit aussieht. Dafür dauert sie Monate — und in dieser Zeit lagert sich der Stoff im Körper ab.

Das Problem des Nachweises

Genau daran scheiterten Ermittlungen bis dahin regelmäßig. Ein Giftnachweis gelang, solange frisches Material vorlag: Mageninhalt, Speisereste, Organe.

Waren die Opfer aber seit Jahren begraben, galt die Sache als aussichtslos. Weiches Gewebe zersetzt sich; was bleibt, sind Knochen.

Der Nachweis in den Knochen

Bei den Exhumierungen aller verstorbenen Angehörigen gelang dem Frankfurter Gerichtschemiker Popp etwas, das es zuvor nicht gegeben hatte: Er wies das Gift in den Knochen und Überresten nach — nach heutigem Kenntnisstand erstmals in der Kriminalgeschichte.

Und er ging noch weiter. Bei Hopfs Mutter, die eingeäschert worden war, gelang der weltweit erste Nachweis von Arsen in der Kremationsasche.

Das war ein grundsätzlicher Durchbruch. Arsen ist ein Element; es verbrennt nicht und zersetzt sich nicht. Wer wusste, wonach und wie zu suchen war, konnte es noch dort finden, wo scheinbar nichts mehr übrig war.

Von Gesche Gottfried zu Karl Hopf

Der Fall markiert damit das Ende eines Weges, der in diesem Archiv ganz am Anfang beginnt.

1828 wurde Gesche Gottfried in Bremen überführt, weil ein Hausbesitzer weißes Pulver auf seinem Essen bemerkte und ein Apotheker es untersuchte (Akte 001). Der Nachweis gelang an dem, was noch auf dem Teller lag.

1914 gelingt er an den Knochen von Menschen, die seit Jahren begraben sind — und an der Asche einer Verbrannten.

Zwischen beiden Fällen liegen sechsundachtzig Jahre. In dieser Zeit verlor das Gift seine wichtigste Eigenschaft: dass es verschwindet.

Prozess und Vollstreckung

Vom 9. bis 19. Januar 1914 verhandelt das Schwurgericht in Frankfurt am Main. Der Prozess erregt großes öffentliches Aufsehen.

Am 19. Januar 1914 ergeht das Todesurteil. Am 23. März 1914 wird Karl Hopf im Hof des Gefängnisses Preungesheim mit dem Fallbeil hingerichtet.

Der Fall im Buch

Im MORDARCHIV steht dieser Fall als Akte 053 auf Ebene II. Aus dem Buchstabengitter ergibt sich die Tatwaffe, aus den übrig gebliebenen Buchstaben der Ermittlungsbericht mit dem Namen des Täters.

Zur BeweislageDie Zahl der Hopf zugerechneten Tötungen wird in der Literatur unterschiedlich angegeben; verurteilt wurde er auf Grundlage der nachgewiesenen Fälle. Auf die Schilderung von Krankheitsverläufen wird verzichtet.
Quellen 4
  1. Wikipedia: Karl Hopf (Serienmörder) — Link
  2. Wikipedia: Karl Hopf (serial killer) — Link
  3. openPR: Frankfurter Giftmorde — Der Fall Karl Hopf — Link
  4. Thomas Schnepf: Frankfurter Giftmorde (Reihe „Der historische Fall“) — Link
Onlinequellen abgerufen am 31. Juli 2026.

Zurück zur Lösung

Das Buch MORDARCHIV DEUTSCHLAND von Viktor Hallstein, 99 wahre Kriminalfälle als Wortsuchrätsel

Das Buch zum Archiv

Dieser Fall steht als Akte 053 im MORDARCHIV DEUTSCHLAND — zusammen mit 98 weiteren wahren Kriminalfällen, jeder als Wortsuchrätsel. Lies die Akte, finde die Beweise, entlarve den Täter.

Bei Amazon ansehen

MORDARCHIV DEUTSCHLAND · Viktor Hallstein · Taschenbuch

■ Die Ermittlerkartei

Neue Fälle, geheime Zusatzakten und Band 2 — zuerst an die, die im Archiv registriert sind.

MORDARCHIV DEUTSCHLAND · Viktor Hallstein · Startseite · Wahre Fälle · Lösungen · Akte 100 · Impressum · Datenschutz
Alle Fälle beruhen auf historischen Kriminalfällen (1820–1950) und wurden für dieses Rätselbuch nacherzählt.