Eine Frau aus dem Kinzigtal
Katharina Bischoff stammte aus Schnellingen bei Haslach im Kinzigtal. Sie war 41 Jahre alt und hatte sechs Kinder.
Der bittere Löffel
Sie gestand, den 73-jährigen Georg Vollmer mit Arsen getötet zu haben — verabreicht im Brei.
Diese Verabreichungsform kehrt in den Giftmordfällen des 19. Jahrhunderts immer wieder. Breiige, kräftig gewürzte oder süße Speisen verdecken den Beigeschmack, und sie werden Kranken und Alten gereicht — von jemandem, der sie versorgt.
Warum immer Arsen
Arsen ist das Gift dieses Archivs. Gesche Gottfried tötete damit fünfzehn Menschen (Akte 001), Christiane Ruthardt ihren Mann (Akte 037), Ella Klein den ihren (Akte 017), Karl Hopf seine eigene Familie (Akte 053).
Der Grund ist banal: Es war überall zu bekommen. Arsenverbindungen dienten als Rattengift, in der Landwirtschaft und sogar in Farben. Man brauchte keinen Zugang zu einer Apotheke und keine besonderen Kenntnisse — nur einen Vorwand.
Und es war lange kaum nachweisbar. Erst im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde das anders; wie weit die Entwicklung schließlich reichte, zeigt der Fall Hopf, bei dem 1913 Arsen noch in den Knochen Langbegrabener gefunden wurde.
Der 26. Januar 1857
An diesem Tag wird Katharina Bischoff im Hof des Bruchsaler Bezirksgefängnisses hingerichtet.
Es ist der erste Einsatz der Guillotine, die das Großherzogtum Baden kurz zuvor angeschafft hatte — drei Jahre nach München, wo eine misslungene Schwerthinrichtung den Umstieg erzwungen hatte (Akte 062).
Katharina Bischoff blieb die einzige Frau, die in Baden unter dem Fallbeil starb.
Hinter Mauern — und doch ein Schauspiel
Bemerkenswert ist der Ort. Baden vollstreckte 1857 bereits im Gefängnishof, also nicht mehr öffentlich — sieben Jahre bevor im Fürstentum Reuß die letzte öffentliche Hinrichtung Deutschlands stattfand (Akte 024).
Die Neugier hielt das nicht auf. Die Badische Landeszeitung berichtete, dass in den Tagen zuvor „ganze Züge Neugieriger“ zum Gefängnis zogen.
Das ist ein aufschlussreicher Befund. Der Staat hatte das Schauspiel abgeschafft, aber nicht das Bedürfnis danach. Die Menschen kamen trotzdem — sie konnten nur nichts mehr sehen.
Der Fall im Buch
Im MORDARCHIV steht dieser Fall als Akte 063 auf Ebene III. Aus dem Buchstabengitter ergibt sich die Tatwaffe, aus den übrig gebliebenen Buchstaben der Ermittlungsbericht — dessen Schlussteil verschlüsselt ist.
Quellen 3
- Badische Neueste Nachrichten: Der Tod kam aus Bruchsal — Eine Frau starb als Erste durch die badische Guillotine — Link
- Staatsanzeiger Baden-Württemberg: Die Guillotine als Denkmal einer nicht mehr zeitgemäßen Justiz — Link
- Wikipedia: Geschichte der Stadt Bruchsal — Link