Die Neumark
Karl Friedrich Masch kommt am 28. April 1824 in Brunki bei Barlinek zur Welt, im östlichen Brandenburg.
Sein Wirkungsgebiet war die Neumark und das östliche Brandenburg; er kam bis nach Berlin und ins südliche Pommern.
Ein Mann unter der Erde
Was diesen Fall von allen anderen unterscheidet, ist seine Lebensweise. Masch hauste in Höhlen, die er selbst in die Wälder gegraben hatte.
Das war keine Notlösung für ein paar Nächte, sondern ein System. Wer unter der Erde lebt, hat keine Adresse, keinen Wirt, keinen Nachbarn — und hinterlässt keine Meldung, kein Quartierbuch und keine Zeugen.
Eine Fahndung des 19. Jahrhunderts setzte genau darauf auf: Man fragte in Herbergen, kontrollierte Papiere, sprach mit Wirten. Gegen einen Mann, der in einem Erdloch schläft, greift dieses Instrument nicht.
Zwölf Jahre zuvor hatte im Bayerischen Wald Michael Heigl dasselbe getan (Akte 018) — auch er lebte in einer Höhle, auch er wurde jahrelang nicht gefunden. Der Unterschied: Heigl wurde von der Bevölkerung gedeckt. Masch brauchte niemanden.
Die Bilanz
Zugerechnet werden ihm zwölf Morde, rund zwanzig Mordversuche, sechs Brandstiftungen und etwa dreihundert Diebstähle.
Diese Zahlen machen ihn zum größten Raubserienmörder Preußens im 19. Jahrhundert.
Der Zufall
Am 23. August 1861 wird Masch in Frankfurt an der Oder festgenommen — durch Zufall.
Auch das gehört zum Muster. Wer keine Spuren im Meldewesen hinterlässt, wird nicht durch Ermittlung gefunden, sondern durch einen Griff, den niemand geplant hat.
Das Geständnis
Masch legte ein ausführliches Geständnis ab — mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Die Mitwisser, die das Gericht vermutete, benannte er nicht.
Er gab also alles preis, was ihn selbst betraf, und schwieg über andere. Das ist bei einem Mann, dem zwölf Morde nachgewiesen wurden und der nichts mehr zu verlieren hatte, ein aufschlussreicher Umstand.
Der Prozess
Vom 2. bis 14. Oktober 1862 verhandelt das Schwurgericht in Küstrin. 115 Zeugen und Sachverständige werden gehört.
Ein Verfahren dieser Größe war für die Zeit außergewöhnlich. Es erklärt sich aus der schieren Zahl der Taten: Jeder einzelne Fall musste belegt werden, jeder Bestohlene, jeder Überlebende aussagen.
Am 18. Juli 1864 wird Karl Friedrich Masch hingerichtet — knapp drei Jahre nach seiner Festnahme.
Der Fall im Buch
Im MORDARCHIV steht dieser Fall als Akte 068 auf Ebene III. Aus dem Buchstabengitter ergibt sich die Tatwaffe, aus den übrig gebliebenen Buchstaben der Ermittlungsbericht — dessen Schlussteil verschlüsselt ist.
Quellen 4
- Wikipedia: Karl Friedrich Masch — Link
- Kriminalia: Der Raubmörder Masch und seine Höhlen — Link
- Michael Kirchschlager: Karl Friedrich Masch — ein preußischer Raubserienmörder — Link
- Daniel's Dilibra: 12facher Raubmörder Karl Masch hingerichtet (zeitgenössische Berichterstattung) — Link