Was belegt ist
Gustav Theodor Pohl wurde am 17. Oktober 1878 in Doberwitz geboren und war Gärtner.
1908 tötete er in Bremen den Gärtner Johann Heinrich Lankau.
Am 14. Juli 1908 wurde er im Gefängnis Bremen-Oslebshausen mit dem Fallbeil hingerichtet. Er war neunundzwanzig.
Das ist der gesamte gesicherte Bestand: zwei Namen, zweimal derselbe Beruf, ein Ort, ein Datum.
Zum Titel
Im MORDARCHIV heißt dieser Fall „Neid in der Gärtnerei“.
Das ist eine plausible Vermutung, aber es ist eine Vermutung. Über Pohls Beweggründe ist nichts überliefert. Ob Neid, Streit, Schulden, Eifersucht oder Raub dahinterstanden, ist unbekannt.
Dieses Archiv sagt das lieber deutlich, als es zu übergehen. Ein Buchtitel muss zuspitzen; ein Fallbericht darf es nicht.
Was sich sagen lässt, ist der eine auffällige Umstand: Täter und Opfer hatten denselben Beruf.
Ein Gärtner im Bremen des Jahres 1908 arbeitete in einer Handelsgärtnerei oder als Gehilfe in einem Privatgarten. Es war ein kleines Gewerbe mit wenigen Betrieben, in dem man einander kannte, um dieselben Stellen konkurrierte und dieselben Kunden belieferte. Wer hier einen Berufsgenossen tötete, tötete jemanden aus seinem eigenen engen Umfeld.
Ob das eine Rolle spielte, weiß niemand. Es ist das Einzige, was auffällt.
Bremen, zweimal
Bremen kommt in diesem Archiv zweimal vor, und die beiden Fälle liegen siebenundsiebzig Jahre auseinander.
1831 wurde auf dem Bremer Domshof Gesche Gottfried enthauptet, die über fünfzehn Jahre hinweg Menschen aus ihrem eigenen Haushalt vergiftet hatte (Akte 001). Es war die letzte öffentliche Hinrichtung Bremens, und ein Domshofpflasterstein erinnert bis heute daran.
1908 wurde Gustav Theodor Pohl hinter den Mauern des Gefängnisses Oslebshausen enthauptet. Es gibt keinen Stein und keine Erinnerung.
Der Unterschied ist nicht nur der Ort. Er ist der Grund, warum der eine Fall überliefert ist und der andere nicht. Gesche Gottfried wurde vor Tausenden hingerichtet, es gab Flugblätter, Bücher, ein Denkmal aus Abscheu. Gustav Theodor Pohl starb um sechs Uhr früh in einem Gefängnishof, in Anwesenheit der vorgeschriebenen Zeugen, und was davon blieb, ist eine Zeile in einer Liste.
Als die Hinrichtungen hinter Mauern verschwanden, verschwanden mit ihnen auch die Geschichten (Akte 091).
Der Fall im Buch
Im MORDARCHIV steht dieser Fall als Akte 094 auf Ebene IV. Aus dem Buchstabengitter ergibt sich die Tatwaffe, aus den übrig gebliebenen Buchstaben der Ermittlungsbericht — dessen Schlussteil verschlüsselt ist.
Quellen 1
- Wikipedia: Liste im Deutschen Reich hingerichteter Personen (Eintrag Gustav Theodor Pohl) — Link